Samstag, 8. Oktober 2011

RUGBY RULES


Ach, wär' man doch ein Känguru! Man wäre süß und blöd und könnte richtig große Sprünge machen. 13,5 Meter stehen als Weitsprungrekord der Beutler zu Buche. Der Wissenschaft ist nun einerseits bekannt, dass ungewöhnlich elastische Muskelbänder die sympathischen Hüpfer antreiben, sie andererseits aber über allenfalls walnussgroße Hirne verfügen. Der australische Volksmund heißt Kängurus oft "Wallabies" und unterstellt den Tieren wohl wahrheitsgemäß, intelligenzmäßig "not the brightest candle on the cake" zu sein. Na ja, das muss kein Nachteil sein, schon Schiller wusste, "mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". Insofern stehen die Chancen der australischen "Wallabies" gut, an diesem Wochenende die südafrikanischen "Springboks", immerhin die amtierenden Weltmeister, und anschließend im Finale sogar die als nahezu unbesiegbar geltenden "All Blacks", die Rugby-Götter aus Neuseeland, einfach unterzupflügen. Der schöne Kraftsport feiert seinen "World Cup" und ganz Down Under freut sich wie Bolle. Mit erfrischender Brutalität versuchen Männer mit Blumenkohlohren, ein zäpfchenförmiges Lederspielzeug im Rückraum der Kontrahenten zu platzieren. Ganz ungetrübt ist der Spaß dieses Mal allerdings nicht, unterstellt doch Eliota Fuimaono-Sapolu, ein 102-Kilo-Spieler aus Samoa, den Rugby-Funktionären Methoden der Sklaverei, der Apartheid, gar des Holocaust. Anlass war unter anderem eine seiner Meinung nach zu milde Strafe gegen die "Roten Rosen" aus England, die entgegen der offiziellen Spielregel 9.B.1 zum Erringen von Bonuspunkten nicht ein-, sondern gleich zweimal den Ball auswechselten. Skandal! Hätte sich Herr Fuimaono-Sapolu doch an die goldene Weisheit von Lothar Matthäus gehalten, derzufolge man sich auch nach einem verlorenen Match "keinen Sand in den Kopf stecken" sollte. Dann hätte ihm der unglückliche Vergleich nachher nicht leid tun müssen. Und ihm wäre vielleicht aufgefallen, dass es gar nicht Englands Rote Rosen, sondern Südafrikas Springböcke waren, die Samoa aus dem Turnier befördert haben. Aber wer will dem Mann etwas vorwerfen? Der Leistungsdruck, Millionen Zuschauer, das harte Training - und erst die vielen fremden Teams! Besonders letztere stellen Sportler vor existenzielle Probleme, wie Jean-Paul Sartre feststellte, denn im Wettkampf "verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft."
O ja!
DS

1 Kommentar:

Patrizia hat gesagt…

Faszinierend ... Wallabies sind also die Dalmatiner der Beuteltiere? ... Wieder was gelernt.
Ein Kollege (der oft in Australien bei einem unserer Kunden ist), erzählt immer wieder, wie viele totgefahrene Kängurus er am Straßenrand liegen sieht. Anscheinend haben die Tiere immer noch nicht gelernt vor allem nachts das Licht am Ende der Straße als herannahende Bedrohung wahrzunehmen.
Was den Sport anbelangt: deswegen hasse ich Sportveranstaltungen - je mehr Geld bzw. Popularität damit verbunden ist, umso mehr gerät es außer Kontrolle und nicht selten gehen sich Kontrahenten verbal oder auch mal buchstäblich an die Gurgel. *Kopf schüttel*
Kann man nicht einfach Spaß an der Freude (bzw. eben am Sport) haben?!

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