Dienstag, 22. November 2011

NUR EINE NUMMER

Ich bin Nummer 3.504.663.411. Jeder ist eine Nummer. Und wer seine nicht kennt, kann sie auf dem BBC-Bevölkerungsrechner ermitteln lassen. 3.504.663.411 bedeutet, dass sich die Weltbevölkerung seit meiner Geburt verdoppelt hat. Verdoppelt! O man!
Die kleine Danica aus Manila wurde von der UNO symbolisch zur Nummer 7.000.000.000 erklärt. Bei der Überreichung des Geburtstagskuchens im Krankenhaus war auch Nummer 6.000.000.000 dabei, die gerade mal zwölfjährige Lorrize. Pro Minute wächst die Zahl der Menschen um etwa 150. Irgendwann, so viel ist klar, wird die Erde zu klein für uns sein. Denn nicht nur die Geburtenzahl steigt - auch die Lebenserwartung. 
Tutu Yusupova aus Usbekistan zum Beispiel, mit behaupteten 131 Jahren inoffizielle Weltalterspräsidentin, trägt theoretisch die Nummer 1.260.045.326 und hat neulich die Befürchtung ausgesprochen, "der Tod habe sie vergessen." Ist halt auch nicht mehr der Jüngste, der Gevatter Tod. Da sei ihm verziehen, dass er sich bei den vielen, vielen Menschen nicht um jeden kümmern kann. Aber was soll werden aus einer Welt, in der man sich nicht mal mehr auf den Sensenmann verlassen kann?
Johannes Heesters könnte demnächst eine neue Boygroup gründen, er wurde 1903 geboren und trägt die ungefähre Kennziffer 1.650.000.645. Damit ist er aus Sicht von Hazi Abdul Noor tatsächlich noch ein Jüngling, denn der Inder, etwa 1.261.903.287, könnte fast Jopis Vater sein und hat mit 120 (!) gerade eine 60 Jahre Jüngere geheiratet. "Alter schützt vor Liebe nicht, aber Liebe vor dem Altern," sagte einst Coco Chanel. Na bitte!
Nach seinem erfolgreichen Marathon-Wettkampf in Toronto gilt Fauja Singh als Shootingstar der Läuferszene. Zwar sind 8 Stunden 25 Minuten und 16 Sekunden nicht gerade weltrekordverdächtig, aber Herr Singh, mit Startnummer 1.758.006.595 ins Leben getreten, hat die 42,195 Kilometer als erster Hundertjähriger bewältigt. Er läuft und läuft und läuft... mit Turban und Turnschuhen.
Nummer 1.260.984.021, die Holländerin Hendrikje van Andel-Schipper, ist unlängst mit 115 Jahren dahingeschieden. Als Ernährungstip  gab sie "Orangensaft" und "Matjes" an. Tatsächlich waren es aber wohl ihre außergewöhnlich gut sortierten Gene, die sie so lange und gesund leben ließen. Wissenschaftler haben ihr Genom daher analysiert und hoffen nun auf neue Erkenntnisse im Kampf gegen altersbedingte Krankheiten.
Aber soll man sich die wirklich wirklich wünschen? Der achtmilliardste Mensch wird in einem guten Jahrzehnt erwartet. Fauja Singh wird dann wohl immer noch laufen und Johannes Heesters immer noch singen. Vielleicht kommen sie dann ja als Stargäste zur Rosenhochzeit von Hazi Abdul Noor, der auch Tutu Yusupova einladen könnte, damit ihr das Warten aufs Ende nicht so langweilig wird.
Der Biologe Paul R. Ehrlich meinte übrigens neulich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, all das werde „zum Untergang der Menschheit führen“, weil die Ressourcen unseres Planeten schwinden. „1,5 Milliarden“ hält er für eine dauerhaft vertretbare Weltpopulation, „aber nur, wenn wir uns vernünftig verhalten.“ Tja. Unwahrscheinlich.
Eure 3.504.663.411

Kommentare:

Patrizia hat gesagt…

Einfach nur erschreckend.
292 Leute sind alleine in der Zeit geboren, in der ich auf der Seite der BBC war!

autorisierten Nutzern hat gesagt…

Und, welche Nummer bist Du?
DS

Patrizia hat gesagt…

Achso, ja, sorry, hatte ich ganz vergessen. Ich bin die Nummer 4,931,750,204 (witzig, die Startzahl ist wohl mein Geburtsmonat und die letzten drei Ziffern mein Geburtsdatum).
Und ich war die 79,795,394,579te Person seit Anfang der Geschichtsschreibung.

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