Sonntag, 17. Juni 2012

KUHBLASEN

Neuerdings bevorzuge ich laktosefreie Milch, weil mein Bauch dann störungsfreier arbeitet. Den meisten Menschen auf der Welt geht es ebenso, denn natürlicherweise können ausgewachsene Säugetiere Milch nicht so gut verdauen. Das können nur die Nachfahren menschlicher Mutanten, die vor etwa 7.000 Jahren plötzlich eine Laktoseverträglichkeit entwickelten. Die Abkömmlinge dieser Milchbubbis machten sich in Europa breit, während der Rest der Welt weiter mit dem Magen grummelte. Daher kann bis heute kaum ein Erwachsener zum Beispiel in Asien den Eutersaft vertragen. So weit so bekannt. Aber wie haben die Mutanten in der Jungsteinzeit eigentlich die Milch aus der Kuh gekriegt? Die halbwilden Rinder damals hatten wenig Ähnlichkeit mit den heutigen Industriekühen, aus deren aufpepumpten Eutern die Milch ja fast von alleine quillt.
Die Wissenschaft kann Antwort geben: Vorchristliche Melker stellten Kälber als Stimuli neben die Kühe und bliesen den Rindern auch noch in den Arsch, um ihre Drüsen anzuregen. Das ist wirklich wahr. 4.400 Jahre alte sumerische Reliefs zeigen solche Kuhbläser bei der Arbeit.
Und schon stellt sich die nächste Frage: Wie haben die frühen Milchbauern das mit der Stimulanz denn rausgefunden?? Einfach mal, weil die Jungsteinzeit auch ihre öden Tage hatte, aus Langeweile, Jux und Dollerei hinten in die Kuh gepustet und dann: Hoppla, da kommt Milch? Und was haben die Urbauern mit ihren Tieren noch so alles ausprobiert, ohne das wir davon Kenntnis haben? Die vorurteilsfreie Forscherei darf und muss solche Fragen stellen. Und fördert dabei hin und wieder Geschichten wie die von den Kuhbläsern zu Tage. Ist Wissenschaft nicht wunderbar?


DS

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